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Dysphagie in der Großküche: JONOVA im Interview mit necta

7. September 2026| Partner-Spotlight| Sigrid Walzl

Für Menschen mit Dysphagie entscheidet die Konsistenz einer Speise darüber, ob sie sicher essen und trinken können. Entschieden wird das aber selten in der Küche: Getränke dickt fast ausschließlich das Pflege- und Betreuungspersonal auf den Wohnbereichen an, im laufenden Betrieb. Wie viel Pulver kommt ins Glas, und wie lange wartet die Pflegekraft, bevor sie nachdosiert? Wer zu früh nachlegt, landet bei einer Konsistenz, die für die Bewohner:innen nicht mehr passt — und bei Getränken, die ungenutzt zurückgehen.

Bei den Mahlzeiten beginnt es in der Küche: Nach dem Passieren wird die Konsistenz dort noch einmal angepasst. Nachgebessert wird anschließend aber auch auf dem Wohnbereich. Die Verantwortung für die richtige Konsistenz verteilt sich damit auf zwei Orte und zwei Teams — und genau das macht sie fehleranfällig.

Genau an dieser Stelle setzt JONOVA an. Das Unternehmen entwickelt Andickungspulver, Trinknahrung und Fertiggerichte für Menschen mit Kau- und Schluckbeschwerden und beliefert damit Großküchen, Kliniken sowie Alten- und Pflegeeinrichtungen. Der eigene Anspruch ist bewusst schlicht formuliert: „Wir machen Essen besser."

Wir haben mit Reinhard Jokschas, Firmengründer von JONOVA sowie Geschäftsführer David Gross gesprochen: über den Moment, aus dem das Unternehmen entstanden ist, über die Fehler, die in der Umstellungsphase immer wieder passieren, und über die Frage, wie viel Aufwand sich sparen ließe, wenn Rezeptur- und Speiseplanung von sich aus wüssten, wer Andickungsbedarf hat.

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1. Ihr sagt „Wir machen Essen besser“. Was war der Moment oder die Beobachtung, aus der JONOVA entstanden ist? Was war das Problem, das ihr damals gesehen habt?

Reinhard Jokschas: Die Produkte der „großen“ Hersteller waren aus unserer Sicht häufig nicht wirklich anwenderfreundlich. Das Andickungspulver war in der Anwendung zu umständlich und hat im Alltag zusätzliche Arbeit verursacht. Gleichzeitig hat die Trinknahrung geschmacklich viele Menschen nicht überzeugt – und gerade beim Thema Ernährung ist Geschmack ein entscheidender Faktor.

Wir haben damals gemerkt, dass zwischen dem, was gebraucht wird, und dem, was auf dem Markt angeboten wurde, eine Lücke besteht. Die Lösungen sollten nicht nur medizinisch bzw. funktional sinnvoll sein,sondern sich auch einfach in den Alltag integrieren lassen und vor allem gut schmecken. Genau aus dieser Beobachtung heraus entstand die Idee für JONOVA: Wir wollten Produkte entwickeln, die näher an den Bedürfnissen der Anwender sind, und zeigen, dass eine notwendige Ernährungslösung trotzdem unkompliziert, angenehm und genussvoll sein kann. Daraus ist letztlich auch unser Anspruch „Wir machen Essen besser“ entstanden – nicht einfach etwas Bestehendes neu zu verpacken, sondern die Produkte aus Sicht der Menschen weiterzudenken, die sie tatsächlich anwenden und konsumieren.

2. Dysphagie ist für Außenstehende oft ein abstraktes Wort. Was übersehen Küchen und Pflegeteams eurer Erfahrung nach am häufigsten, wenn sie Speisen für Betroffene zubereiten?

David Gross: Was aus unserer Erfahrung häufig unterschätzt wird, ist, wie entscheidend Zeit und eine verlässliche Konsistenz im Alltag sind. Gerade in Küchen und Pflegeeinrichtungen herrscht heute ein enormer Zeit- und Personaldruck. „Zeit ist Geld“ gilt hier ganz besonders – und wenn Fachpersonal fehlt, müssen Abläufe möglichst einfach und schnell funktionieren. Bei herkömmlichen Andickungsmitteln kommt erschwerend hinzu, dass das Pulver nachdickt. Das bedeutet: Nach dem Einrühren muss zunächst abgewartet werden, bis die endgültige Konsistenz erreicht ist. Dies dauert meist mehrere Minuten. Im hektischen Alltag fehlt dafür häufig die Zeit oder Geduld. Dann wird schnell noch einmal Pulver nachdosiert – mit dem Ergebnis, dass das Getränk am Ende zu stark angedickt ist und damit nicht mehr die eigentlich benötigte Konsistenz hat. Genau hier liegt der entscheidende Vorteil von JONOVA: Unser Produkt erreicht innerhalb weniger Sekunden die gewünschte Konsistenz und dickt anschließend nicht weiter nach.

Das schafft Sicherheit und spart gleichzeitig wertvolle Zeit. Gerade bei knappen Personalressourcen kann das einen enormen Unterschied machen – für die Küchenmitarbeiter, für das Pflegepersonal und vor allem für die Menschen, die auf eine exakt abgestimmte Konsistenz angewiesen sind.

3. Euer Grießbrei Apfelstrudel ist ja ein gutes Beispiel: bekannter Geschmack, aber neue Konsistenz. Wie entsteht so ein Produkt bei euch, wer sitzt am Tisch, wenn ihr entscheidet, was als Nächstes kommt?

Reinhard Jokschas: Man sollte sich gedanklich an die jetzige Generation der Alten- und Pflegeheimbewohner hineinversetzen können. Was essen Menschen dieser Generation gerne, können aber bestimmte Konsistenzen nicht mehr essen. Es wird Input von allen Mitarbeitern und Kunden entgegengenommen und besprochen.

4. Ihr schreibt, euer Preis-Leistungsverhältnis stimmt, weil eure Andickungspulver „nicht nachdicken“. Was bedeutet das für eine Großküche konkret? Wie viel Material, Zeit oder Ärger spart das im Alltag wirklich?

David Gross: Das Preis-Leistungsverhältnis beruht für uns nicht allein darauf, dass unser Andickungspulver nicht nachdickt. Ein entscheidender Faktor ist auch die deutlich geringere benötigte Pulvermenge im Vergleich zu vielen Mitbewerbern. In der Praxis wird meist etwa ein Drittel Pulver eingespart.

Gleichzeitig wird die gewünschte Konsistenz deutlich schneller erreicht und die Gefahr einer Überdosierung erheblich reduziert. Gerade in einer Pflegeeinrichtungen ist das ein wichtiger Punkt: Zeit ist Geld. Wenn viele Portionen und Getränke täglich zubereitet werden, summieren sich schon kleine Zeit- und Materialeinsparungen sehr schnell. Und auch der Ärger über falsch angedickte Getränke ist nicht zu unterschätzen. Wenn beispielsweise überdosierte Getränke aus dem Wohnbereich in die Spülküche zurückkommen, bedeutet das nicht nur zusätzlichen Aufwand, sondern zeigt auch, dass der Prozess an einer anderen Stelle nicht optimal funktioniert hat. Noch wichtiger ist für uns aber der Mensch, der am Ende das Getränk bekommt. Eine zu stark angedickte Flüssigkeit kann dazu führen, dass weniger getrunken wird, weil das Trinken unangenehm oder schlicht unattraktiv oder sogar unmöglich wird. Gerade bei Menschen mit Dysphagie ist eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme jedoch besonders wichtig, um einer Exsikkose bzw. Dehydration entgegenzuwirken.

Deshalb geht es bei der richtigen Konsistenz nicht nur um Effizienz und Kosten, sondern auch um Lebensqualität und eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung. Zusammen mit dem attraktiven Preis ergibt sich für Pflegeeinrichtungen und Küchen damit ein sehr überzeugendes Gesamtpaket – wirtschaftlich, zeitsparend und vor allem praxisnah.

5. Ihr liefert an Großküchen, Kliniken und Pflegeeinrichtungen gleichzeitig. Wo unterscheiden sich die Anforderungen dieser drei Gruppen am stärksten und wo überraschend wenig?

David Gross: Die Unterschiede zwischen den drei Gruppen sind in der Praxis tatsächlich geringer, als man vielleicht vermuten würde. Die von uns belieferten Großküchen versorgen häufig sowohl Alten- und Pflegeheime als auch Kliniken. Dadurch sind die Anforderungen an die Produkte und vor allem an eine einfache, zuverlässige Anwendung sehr ähnlich. In den Kliniken liefern wir momentan hauptsächlich unser Andickungspulver. Hier sehen wir keinen wesentlichen Unterschied zu den Anforderungen in Pflegeeinrichtungen. Auch dort kommt es darauf an, schnell und zuverlässig die richtige Konsistenz zu erreichen und dabei einen möglichst unkomplizierten Ablauf zu gewährleisten. In Pflegeeinrichtungen ist unser Produktspektrum allerdings deutlich breiter im Einsatz. Neben dem Andickungspulver kommen dort auch unsere weiteren Produkte in Pulverform zum Einsatz – beispielsweise unsere Aufbaunahrung mit Isomaltulose, unsere Trinknahrung oder unser Grießbrei. Diese Produkte sind in vielen Einrichtungen etabliert und gehören dort zu den Lösungen, die regelmäßig im Alltag eingesetzt werden. Am Ende geht es aber überall um dasselbe: Die Produkte müssen zuverlässig funktionieren, einfach in der Anwendung sein, gut akzeptiert werden und sich in die bestehenden Abläufe integrieren lassen. Und wenn wir mit unseren Produkten gleichzeitig die Abläufe vereinfachen und das Budget entlasten können, ist das natürlich ein zusätzlicher großer Vorteil für die Einrichtungen.

6. Wenn eine Großküche das erste Mal auf Kau- und Schluckbeschwerden bei ihren Gästen reagieren muss: Was ist der häufigste Fehler, den ihr in der Umstellungsphase seht?

Reinhard Jokschas: Das Thema Dysphagie ist kein Neues. Die GK haben immer ein Andickungspulver im Einsatz. Die Schwierigkeiten bei der Umstellung liegt beim Personal. Das Lesen der Gebrauchsanweisung findet meist nicht statt. Unser Andickungspulver ist aber sehr gelingsicher, sodann Fehler selten sind.

7. Was würde euch an einer engeren Verzahnung mit Warenwirtschaftssystemen wie necta reizen. Wo seht ihr den größten ungenutzten Mehrwert, wenn Rezeptur- und Speiseplanung direkt wüsste, wer Andickungsbedarf hat?

David Gross: Der größte Mehrwert wäre die automatische Verknüpfung von Bewohnerdaten mit der Speise- und Rezepturplanung. Wenn das System direkt weiß, welche Personen einen Andickungsbedarf oder andere Ernährungsanforderungen haben, lassen sich passende Speisen ohne zusätzlichen manuellen Aufwand planen. Das reduziert Fehler, spart Zeit und erhöht gleichzeitig die Versorgungssicherheit und Individualisierung der Mahlzeiten. Zudem kann im Vorfeld schon geschaut werden wann wieder Andickungspulver bestellt werden muss oder ob die vorhandene Menge noch ausreicht.

8. Wohin entwickelt sich JONOVA in den nächsten Jahren. Bleibt der Fokus auf Dysphagie und Mangelernährung, oder kommt da noch etwas Neues dazu?

David Gross: Dysphagie und Mangelernährung werden in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter an Bedeutung gewinnen. Deshalb wird dieser Bereich auch weiterhin unser klarer Fokus bleiben. Gerade durch die demografische Entwicklung und die zunehmende Zahl älterer Menschen wird der Bedarf an guten und praxistauglichen Lösungen weiter steigen. Wir sehen hier noch viel Potenzial und möchten unsere Produkte in diesem Bereich kontinuierlich weiterentwickeln. Gleichzeitig sind wir Neuem gegenüber immer aufgeschlossen. Wir beobachten den Markt sehr genau und schauen uns auch andere Einsatzbereiche und Märkte außerhalb von Pflege- und Altenheimen sowie Kliniken an. Wenn sich dort Möglichkeiten ergeben, bei denen wir mit unseren Produkten einen echten Mehrwert schaffen können, sind wir offen dafür. Unser Ziel ist es, weiter zu wachsen und neue Möglichkeiten zu nutzen, ohne dabei unseren ursprünglichen Anspruch aus den Augen zu verlieren: Ernährung soll für die Menschen, die darauf angewiesen sind, einfacher, angenehmer und besser werden.

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Sigrid WALZL, Leitung Marketing necta group, Portraitfoto

Autor

Sigrid Walzl

Leitung Marketing

Sigrid Walzl ist Marketing- und Kommunikationsspezialistin bei necta und sorgt dafür, dass komplexe Themen rund um unsere digitale Küchenprozesse klar, verständlich und zielgruppengerecht vermittelt werden.In ihrer Freizeit ist sie am liebsten im Wasser beim Längenschwimmen oder in den Bergen auf Wanderwegen unterwegs.